Shure SM57 – Die Geschichte eines Mikrofon-Klassikers
von Marc Bohn , Artikel aus dem Archiv
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55 Jahre nach dem Shure das erste SM57 auf den Markt brachte! Wir machen eine kleine Zeitreise und widmen uns der Geschichte des Mikrofonklassikers von Shure. In diesem Artikel findet ihr zusätzlich Soundfiles zu den einzelnen Mikrofonen von Shure die es bis zur Entwicklung des SM57 gab. Damit wollen wir euch die Klangcharakteristik und die Klangentwicklung des SM57 über mehr als ein halbes Jahrhundert darstellen. Wirft man einen Blick auf Fotos aus alten Studiotagen, so sieht man neben den üblichen Verdächtigen wie Neumann U48 und U87 oder dem AKG C12 ein kleines dynamisches Mikrofon, dass häufig zur Aufnahme von E-Gitarre oder der Snare eingesetzt wurde und auch heute noch eingesetzt wird. Das Shure SM57 ist seit seiner Entwicklung, die mit dem ersten Shure-Mikrofon vor über 75 Jahren begann, im Studioalltag nicht mehr Wegzudenken.
Die Geschichte des Shure SM57, so wie wir es heute kennen, begann zwischen 1937 und 1939. Ben Bauer, Ingenieur von Shure, war es, der damals die Idee hatte das erste unidirektionale Mikrofon zu entwickeln – das Shure 55 Unidyne, über welches Franklin D. Roosevelt, John F. Kennedy und auch Martin Luther King ihre Reden hielten und das später als das Elvis-Mikrofon bekannt wurde. Ziel von Shure war es, ein Mikrofon mit einem einzigen dynamischen Element, bzw. nur einer Membran, zu entwickeln.
Bis dato wurden für direktionale Mikrofone Kugelcharakteristik und Acht in einem Gehäuse zusammengesetzt. Die Ausgangssignale beider Kapseln konnten dann beliebig zusammengemischt werden. Im Verhältnis 1:1 konnte man so eine Nierencharakteristik simulieren.
Im Kampf gegen Rückkopplungen und Nebengeräuschen war es aber damals besser als nichts. Für Bauer war klar, dass er ein Mikrofon mit nur einer Kapsel entwickeln musste. Denn nur so könnte man eine omnidirektionale Richtcharakteristik, bzw. eine Kugel erzeugen. Da bei diesen Mikrofonen sowohl der Schall von vorne als auch von hinten aufgenommen wird, nahm er an, dass wenn er den Schall von hinten in irgendeiner Art abblocken kann, eine Richtcharakteristik entsteht, die einem Herz oder einer Niere gleicht.
Das erste Unidyne hatte mehrere Öffnungen vorne und an den Seiten. Somit waren Schallaufnahmen über beide Seiten der Membran möglich. Die Schallwellen die durch die Seiten an die Membran gelangen, haben einen längeren Weg als die, die von vorne zur Kapsel gelangen. Dadurch entsteht eine zeitliche Verzögerung. Mit Hilfe von veränderbaren akustischen Widerständen an den Seiteneingängen konnten so verschiedene Richtcharakteristiken wie Niere, Superniere oder Hyperniere abgebildet werden. So entstand das erste unidirektionale dynamische Mikrofon – das Unidyne.
Bauer lag mit seinen Annahmen goldrichtig. Die Handhabung war durch die akustischen Widerstände und die damit möglichen Richtcharakteristiken deutlich einfacher als bei allen anderen Mikrofonen und auch Störgeräusche aus der Umgebung konnten ausgeblendet werden. Und die Größe war deutlich geringer. Aber der wohl beste Vorteil war die gute Klangqualität. Mit diesem Gesamtpaket setzte Shure damals völlig neue Maßstäbe.
In der Zeit von 1939 bis 1946 blieb das Unidyne weitgehend unverändert, ehe dann Im Jahr 1951 das „kleine Unidyne“ kam. Ein kleineres und kompakteres Mikrofon mit einer Unidyne II Kapsel und verbesserten Features.
1960 brachte Shure mit dem 545 und Unidyne III Kapsel den ersten Vorläufer des späteren Shure SM57 auf den Markt. Verantwortlich für die Entwicklung war nun Shure Ingenieur Ernie Seeler. Das neue Unidyne brachte maßgeblichen Veränderungen mit sich. Ein Erschütterungsabsorber wurde integriert, der Griffgeräusche reduzierte. Ein Kolben pumpte bei Erschütterungen Luft in eine Kammer hinter der Membran, die durch ihre Vibrationen der eigentlichen Membranbewegung entgegenwirkt. Dadurch wird eine maximale Isolation von sämtlichen mechanischen Vibrationen erzeugt. Dieser luftgefederte Erschütterungsabsorber war zwar damals eine einfache Konstruktion, aber die Entwicklung war ein solcher Aufwand, dass kein anderer Mikrofonhersteller wirklich etwas ähnliches nachbilden konnte.
Klangcharakteristik: 545 USA und Mexico
Heute produziert Shure die seine Modelle in den USA, Mexico und in China. Laut Shure klingen alle gleich, und es wird versichert, dass in allen Produktionsstätten bei der Herstellung die gleichen Bauteile verwendet werden. Beim Test standen uns bei den Modellen des Shure SM57 und 545 die Versionen aus den USA und Mexico und beim Shure 548 das Modell aus den USA zur Verfügung. Um die Klangbeispiele zu erstellen wurde ein AMPETE ONE mikrofiniert und abgenommen. Hier hört ihr die Klangcharakteristik des Shure 545 und den Klangvergleich zwischen den Modellen aus Nord- und Südamerika.
Klangbeispiele 545 USA und Mexico an der Gitarre
545 USA
545 Mexico
Klanganalyse Shure 545
Beide Mikrofone klingen sehr ausgewogen. Der Bassbereich im Palm Mute Part, in dem die Gitarren abgedämpft werden, wird stark gepusht und somit sind auch die Höhen im Open Chords Part relativ sanft. Die Mitten sind schön ausgeglichen und so kommt der Overdrive des Gitarrenamps schön sahnig.
Shure 545 USA vs. Mexico
Im Test fällt auf, dass der Output der Variante aus Mexico etwas schwächer ist, als der der USA-Version. Außerdem klingt das Shure 545 USA sowohl in den Höhen als auch in den Tiefen insgesamt einen kleinen Tick voller und runder.
Shure 548 USA Unidyne IV
Die Shure Unidyne IV Modelle Shure 548, 548SD und 5488 wurden in den frühen 60ern veröffentlicht und sind mit dem Shure 545 verwandt. Die unidirektionalen dynamischen Mikrofone wurden mit einer Dual-Impedanz ausgeliefert, die einen niederohmigen Betrieb ermöglichten. Die Richtcharakteristik von Unidyne IV sollte die Tonqualität vor allem dort verbessern, wo kritische Beschallungssysteme installiert sind und Feedback eine große Rolle spielt. Wie beispielsweise in Kirchen, Kongresshallen, Hotels usw. Durch die gleichmäßige und unidirektionale Richtcharakteristik ließen sich so Rückkopplungen weitgehend vermeiden. Das Mikrofon konnte mit einem Stand-Adapter auch als Tischmikrofon aufgestellt werden. Außerdem war es durch sein Metallgehäuse äußerst stabil. Neu war damals der Ein- und Aus-Schalter. Das hat uns bei den Recordings zu den Soundbeispielen eine Menge Zeit gekostet. Wie lange haben wie danach gesucht, warum wir kein Signal in unsrer DAW haben. Kabel umgepatcht, In- und Outputs geändert und irgendwann ist uns dann aufgefallen: „ach da gibt’s nen Schalter“. Eine Besonderheit ist, dass die Impedanz im Innern des Mikros wechselbar ist und daher gerade Harp-Spieler (Blues-Harp) das Mikro gerne nutzen.
Klangbeispiel Shure 548 USA an der Gitarre
Klanganalyse Shure 548 USA
Bei dem Soundbeispiel vom Shure 548 USA mussten wir in unsrer DAW 5 dB mehr Output geben, um in etwa die gleiche Lautstärke der anderen Klangbeispiele zu erreichen. Dadurch wird auch das Grundrauschen des Amps deutlich hörbar. Die Ausgangsleistung des 548 ist also wesentliche schwächer als die der anderen Mirkos. Klanglich würde ich es mit dem Shure 545 vergleichen. Breites Klangvolumen mit tiefen Bässen, sanften Höhen und einem präsenten Mittelfeld.
1965 war es dann soweit! Unidyne III Kapsel und das schlanke Design des Shure 545 bildeten die Grundlage für das Shure SM57, das erste Produkt der legendären SM-Reihe mit dem Gehäuse wie wir es heute kennen. SM steht übrigens für “Studio Mikrophone”. Seeler‘s Erschütterungsabsorber im Unidyne III Design eröffnete durch den handlichen Gebrauch dynamischer Mikrofone überragende Möglichkeiten für eine neue Generation der Musik und des Gesangs. Heute kennen wir die Besonderheiten des SM57 und wissen seine Stärken einzusetzen.
In unserem Test stand uns tatsächlich Shure SM57-Varianten aus der Zeit um 1965 und 1968 zur Verfügung. Das genaue Produktionsjahr konnten wir leider nicht herausfinden. Ein Mikrofon in den Händen zu halten, das um die 50 Jahre alt ist, lässt das Engineer-Herz höher schlagen und es schwingt automatisch ein gewisser Vintage Vibe im Aufnahmeraum mit. Das steigert auch die Kreativität. Ich bin mir sicher, dass diese Mischung auch von der Membran aufgefangen wird und einem späteren Mix den Gewissen Charakter verleiht.
Klangbeispiele Shure SM57 USA und Mexico an der Gitarre
Shure SM57 USA
Shure SM57 Mexico
Klanganalyse Shure SM57
So kennt man das SM57, in den Tiefen ordentlich Power und in den Höhen sehr präsent und scharf. Die Allzweckwaffe klingt solo an einer verzerrten Gitarre oft etwas zu spitz und es hört sich im ersten Augenblick nicht sonderlich gut an. So geht es mir zumindest oft. Platziert man das Signal dann aber in einem Mix, so liefert die Anhebung in den Höhen den Gitarren die nötige Aggressivität um sich gegen den Rest der Band durchzusetzen.
Also hier muss man schon lange suchen um einen Unterschied zu finden. Man könnte sagen, dass das SM57 USA in den hohen Mitten im Open Chords Part etwas mehr powert und das Körnige, bzw. die Zerrung der Gitarre deutlicher macht. Ansonsten tut sich da klanglich nichts.
Das Shure SM57 geht in die Geschichte ein
2004 wurde das SM 57, welches im Jahre 1965 entwickelt wurde in die “TECnology Hall of Fame aufgenommen”. Die Stiftung für “Excellence in Audio” ehrt damit Audio-Produkte und Innovationen, die einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Audio-Technologie gemacht haben .
50 Jahre Shure SM57
Das Shure SM57 feiert 2015 also sein 50 Jähriges, ein halbes Jahrhundert, goldenes Jubiläum. Seit der Veröffentlichung auf dem Markt im Jahre 1965 ist das „kleine schwarze“ eine Recording-Legende geworden, die auf unzähligen Silber-, Gold- und Platin-Platten zu hören ist, egal ob auf Vinyl, Kassette, CD oder MP3. So ist das SM57 scheinbar die einzige Konstante im Musikgeschäft innerhalb der letzten 50 Jahre. So wurde aus einem technischen Gerät eine Komponente, die in den Studios die durch ihren gezielten und kreativen Einsatz, einen Teil zu einem Song beiträgt und so auch Hits produziert. Aber es ist ja nur ein Mikrofon…
Soundcloudplaylists
Hier findet ihr nochmal alle Soundbeispiele innerhalb einer Playlist:
Außerdem haben wir den Test auch an einer Snaredrum durchgeführt. Die Klangunterschiede hört ihr hier:
>> Recording-Kult und Prince Special <<
Für das Thema Recording-Kult haben wir Studio-Legende Al Schmitt getroffen und waren in denAbbey Road Studios, um uns ein paar edle Teile des dortigen Mikrofonparks anzuschauen. Engineers aus deutschen Studios zeigen, wie man heute mit echtem Vintage-Gear aufnimmt! In unserem Prince-Special widmen wir unsdem Sound, der Musik und der Person Prince,derdie Musikwelt weit über Minneapolis hinaus geprägt hat!
Weitere Themen:
Loudness War − Interview mit Lautheitsforscher Rudi Ortner
Focusrite Clarett 8Pre − Thunderbolt-Audio-Interface im Test
Tube-Tech HLT 2AM − Mastering-EQ mit Röhrentechnik im Test
Zur Erinnerung: Das Neumann U87 wird seit 1967 hergestellt. Das AKG C414 kam 1971 auf den Markt! Im Artikel ist die Rede von Zwei-Membran-Mikrofonen, die es in den 1930er Jahren gab.
Ich habe selbst früher ein Shure benutzt. Da wir in der Kirche einen großen Raum von unserem Beschallungssystem füllen lassen mussten, brauchten wir ein passende Mikro. Entscheidend war hier ein Modell, was niedrohmigen Betrieb ermöglicht. Weitere Informationen habe ich hier gefunden: https://www.mocom.at/produkte/beschallung
Technische Fehler, Rechtschreibfehler… kein guter Artikel.
Dopplemmembranmikrofone sollen schlechter klingen?
Zur Erinnerung: Das Neumann U87 und das C414 sind beides Doppelmembranmikrofone.
Zur Erinnerung: Das Neumann U87 wird seit 1967 hergestellt. Das AKG C414 kam 1971 auf den Markt! Im Artikel ist die Rede von Zwei-Membran-Mikrofonen, die es in den 1930er Jahren gab.
Mexiko liegt in Nordamerika.
Ich habe selbst früher ein Shure benutzt. Da wir in der Kirche einen großen Raum von unserem Beschallungssystem füllen lassen mussten, brauchten wir ein passende Mikro. Entscheidend war hier ein Modell, was niedrohmigen Betrieb ermöglicht. Weitere Informationen habe ich hier gefunden: https://www.mocom.at/produkte/beschallung